Auswandern? Nicht so einfach.


DASDING ist ein gemeinsames Programm von Südwestrundfunk, Saarländischem Rundfunk und Hessischem Rundfunk. Innerhalb dessen gibt es das Format DAS DING BRUST RAUS das auf seinem YouTube-Kanal kürzlich einen Beitrag zum Thema Auswanderung veröffentlichte. Diesen schaute ich mir natürlich an und ich kann allem was darin zur Sprache kam ausnahmslos zustimmen.

Auf den Punkt gebracht.

Was es für mich persönlich auf den Punkt bringt kommt bei der Zeiteinstellung 18:04. Wo die Auswanderungsberaterin davon spricht das, wenn es einem in Deutschland nicht gefällt oder man Probleme hat, auswandern das nicht lösen wird. Was sie damit meint erlebte ich selbst als ich zwischen 1994 und 1998 in England arbeitete und lebte. Allerdings nicht, weil es mir in Deutschland nicht gefiel oder weil ich Probleme hatte. Eines Tages bat mich mein Vorgesetzter zu einem Gespräch. Er wolle wissen ob alles in Ordnung sei. Er habe den Eindruck das ich den Deutschen aus dem Weg gehe. Er begründete das unter anderem damit, das ich wo eine Wohnung mietete wo kaum Deutsche in der Nähe wohne.

Ich erwiderte das ich nicht nachvollzog wie er darauf komme, widersprach seinen Mutmaßungen entschieden und antwortete das, wenn ich nur mit Deutschen in Kontakt bleiben und arbeiten wolle, ich nicht so bescheuert wäre und einen Job im Ausland annehme. Als ich fragte ob dies dienstrechtlich ein Personalgespräch sei und es Beanstandungen, wie ich meinen Job machte, gab, antwortete er, dann wäre ja alles geklärt und ich konnte wieder dem nachgehen, weswegen ich nach England versetzt und für meinen Job bezahlt wurde.

Das sollte man nicht unterschätzen.

Für mich waren die Prioritäten als ich nach England ging klar gesetzt und das zog ich die vier Jahre konsequent durch. Den Job erledigen. Das Land und seine Menschen kennenlernen. Meine Sprachkenntnisse verbessern. Das schätzten einheimische Kamerad*innen und ich hatte dadurch nur Vorteile. Man tat mir mehr als einmal einen Gefallen, den man anderen Deutschen die schon länger am Standort waren nicht erfüllt hätte. Mehr als einmal bekam ich deutlich gesagt das man das tue, weil man anerkenne das ich bemüht sei Land und Leute kennenzulernen, mich zu integrieren.

Genau deswegen bin ich ja der Meinung das es weniger darauf ankommt wo man lebt, sondern was man selbst daraus macht. Wenn man nicht offen ist und in seiner deutschen Blase bleiben will, ist es im Ausland genauso scheiße wie hierzuland.

Es ist überall das gleiche.

Meiner eigenen und persönlichen Meinung nach. Die Gemeinde oder Stadt, die Region oder das Land wo man lebt sind Nebensache. Es kommt wie zuvor geschrieben darauf an was für ein Typ Mensch man ist und was man selbst macht. Aus Gesprächen mit Kamerad*innen und Kolleg*innen aus verschiedenen Staaten und Einheimischen (vor Ort in England) weiß ich das es woanders auch Bürokratie gibt. Manchmal mehr. Manchmal weniger. Manchmal verwirrend.

Für uns als Kontinentaleuropäer*innen von der britischen TV-License befreit zu werden war unbürokratisch. Formloses Schreiben an die zuständige Behörde das man überwiegend Satellitenprogramme aus dem eigenen Land sieht und fertig. Normal ist, dass beim Kauf eines Fernseher oder Radio die Rundfunkbehörde von den Händlern ein zuvor ausgefülltes Formular bekommen. Ohne dies, kein Radio, kein Fernseher.

Ein Meldewesen wie in Deutschland gibt es im Vereinigten Königreich formal nicht. Seinerzeit war es allerdings so das man bei der Unterschrift eines Kauf- oder Mietvertrag für eine Wohnung oder ein Haus ein Formular bekam, das man selbst ausfüllen und an die zuständige Gemeinde schicken musste. Tat man das nicht, standen Mitarbeitende dieser nach einem halben Jahr auf der Matte.





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